Chandra Levy war gerade einmal 24 Jahre alt, als sie im Frühling 2001 spurlos verschwindet. Die junge Frau war für ein Praktikum bei einer Bundesbehörde nach Washington D.C. gezogen. Während der Suche nach ihr kommt ans Licht, dass sie eine Affäre mit einem Kongressabgeordneten hatte. Hat der Politiker etwas mit Chandras Verschwinden zu tun? 

 

Das Leben von Chandra

Chandra Levy wurde in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio geboren. Kurz darauf zog ihre Familie an die Westküste nach Kalifornien, wo Chandra die Schule abschloss. Nachdem sie einen Bachelor-Abschluss in Journalismus an der Universität von San Francisco absolvierte, wechselte sie an die Universität von Südkalifornien, um einen Master in öffentlicher Verwaltung abzuschließen.

In ihrem letzten Semester zog die Studentin nach Washington D.C., um dort ein Praktikum bei der Bundesbehörde für Gefängnisse zu machen. Dort war sie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und wurde vor allem für ihr smartes Umgehen mit Pressenfragen gelobt. 

 

Chandra verschwindet

Im April 2001 wurde Chandras Praktikum beendet, da sie nur einen Monat später offiziell ihren Abschluss verliehen bekam und daher nicht mehr als studentische Praktikantin angestellt werden konnte.  

Am 1. Mai 2001 war die junge Frau das letzte Mal offiziell gesehen worden. Fünf Tage später meldeten sich ihre besorgten Eltern bei der Polizei und gaben an, ihre Tochter nicht erreichen zu können. Daraufhin stattfindende Durchsuchungen ihrer Wohnung ließen jedoch keinen Hinweis auf ein Verbrechen zu. Die junge Frau war wie vom Erdboden verschluckt. 

 

Die Affäre

Im Laufe der Ermittlungen kam ans Tageslicht, dass Chandra eine Affäre mit dem verheirateten Abgeordneten Gary Condit gehabt hatte. Condit, ein Mitglied der demokratischen Partei, leugnete dies zuerst, soll jedoch später im Zuge von Polizeibefragungen die geheime Affäre zugegeben haben. Allerdings hatte der Politiker ein wasserdichtes Alibi: Zum später errechneten Tatzeitpunkt befand er sich in einem Meeting mit dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten. 

 

Chandras Leiche wird gefunden 

Über ein Jahr nach ihrem Verschwinden findet ein Spaziergänger menschliche Überreste im Rock Creek Park, nur etwa sechs Kilometer von Chandras Wohnung entfernt. Die Knochen können anhand von Zahnarztunterlagen sowie um den Fundort verteilten persönlichen Gegenständen wie einem Sport-BH und einem Tennisschuh, eindeutig Chandra zugewiesen werden. 

Etwa eine Woche nach dem Fund der Leiche wird bekannt gegeben, dass es sich bei der Todesursache um Fremdeinwirkung handelt: Chandra Levy wurde ermordet. Bei der Autopsie werden Verletzungen gefunden, die auf Strangulieren hinweisen, jedoch sind die Überreste so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass die genaue Todesursache nicht zweifelsfrei bestimmt werden kann.  

 

Der Hauptverdächtige

Im September 2001 kommt ein im Gefängnis sitzender Informant auf die Polizeibeamten zu, die den Mordfall um Chandra Levy betreuen. Er gibt an, dass sein Mithäftling Ingmar Guandique, ein 20-jähriger illegaler Immigrant aus El Savador, ihm gestanden habe, die Studentin auf Auftrag von dem Abgeordneten Condit hin getötet zu haben. Im Gegenzug habe er dafür 25.000 Dollar gezahlt bekommen. 

Die Ermittler glauben jedoch nicht, dass Condit seine Finger im Spiel hatte. Das liegt vor allem daran, dass Guandique bereits zweimal vorher Frauen in dem gleichen Park belästigt hatte, in dem Chandras Leiche gefunden wurde. Für diese beiden Vorfälle sitzt der junge Mann zu diesem Zeitpunkt in Untersuchungshaft. 

Guandique wird mehreren Lügendetektortests unterzogen. Da er aber nur gebrochen Englisch spricht und keine mehrsprachigen Beamten verfügbar waren, können die unterschiedlich ausfallenden Tests nicht vor Gericht zugelassen werden. Guandique wird zu zehn Jahren Gefängnis für die Übergriffe auf die beiden anderen Frauen verurteilt. Chandras Levys Fall gilt offiziell als ungelöst – bis 2006.

 

Wiederaufnahme der Ermittlungen

2006 bekommt Washington D.C. eine neue Polizeichefin, die den Mordfall um die junge Praktikantin noch einmal neu aufrollen lässt. Drei erfahrene Mordermittler werden auf die Lösung des Falls angesetzt und auch die Zeitung The Washington Post stellt ein Team frei, das eigenhändig in dem Mord ermitteln soll. 

2008 wird schließlich erneut Guandique in Augenschein genommen und seine Gefängniszelle durchsucht. Dabei findet sich ein Foto von Chandra Levy, welches er aus einem Zeitungsbericht ausgeschnitten hatte. Daraufhin werden die Ermittlungen in seine Richtung noch einmal verstärkt und Bekannte des Mannes befragt. Im Frühjahr 2009 wird Guandique schließlich wegen des Mordes an Chandra Levy vor Gericht gestellt.

 

Der Prozess 

2010 beginnt der Prozess gegen den Mann aus El Savador, der nach wie vor seine Unschuld beteuert. Am meisten belastet ihn die Aussage eines ehemaligen Zellengenossen der, wie bereits einige Jahre zuvor ein weiterer Mithäftling, ebenfalls behauptet, Guandique hätte ihm die Tat gestanden. Diese Aussage führte letztendlich zu einer Verurteilung und Ingmar Guandique wird wegen des Mordes an Chandra Levy zu 60 Jahren Haft verurteilt. 

 

Neuer Prozess

Guandique legt daraufhin immer wieder Berufung gegen seine Verurteilung ein und fordert einen neuen Prozess. Überraschend stimmt die Anklage 2015, nach einigen Jahren der Anhörungen, schließlich einem neuen Prozess zu. Das ist größtenteils damit zu erklären, dass einer der Hauptzeugen der Anklage, der Mithäftling, dessen Aussage Guandique stark belastete, als nicht vertrauenswürdig offenbart wird. Armando Morales war ein Informant mit dem Ruf, die Wahrheit nicht so genau zu nehmen und das zu sagen, was die Beamten hören wollten, um sich mit ihnen gut zu stellen. 

Die Bekanntmachung, dass die Aussage des Mithäftlings gelogen sein könnte, taucht den Prozess tatsächlich in ein neues Licht, da bis heute keine handfesten Beweise wie DNS-Spuren oder Ähnliches gefunden werden konnten, die Guandique eindeutig als Täter belegen würden und die Verurteilung größtenteils auf der Aussage Morales’ basiert. 

 

Anklage fallen gelassen

Im Sommer 2016 gibt die Staatsanwaltschaft schließlich bekannt, dass sie die Anklage gegen Guandique fallen lässt und stattdessen beantragen wird, dass er in sein Heimatland El Savador abgeschoben wird. Das ist eine Reaktion darauf, dass eine Tonaufnahme auftaucht, auf der Morales zugibt, bei seiner Aussage vor Gericht gelogen zu haben. 

Nun untersucht die weltberühmte frühere Staatsanwältin Marcia Clark den rätselhaften Tod von Chandra Levy. Marcia will herausfinden, was wirklich geschehen ist in diesem vielbeachteten Fall um Politik, Sex und Mord.


Einen Einblick in die Episode gibt Marcia Clark selbst über diesen Podcast (auf Englisch). Mit spannenden Ausschnitten aus der True-Crime-Reihe "The First 48 - Marcia Clark ermittelt" und Ausblicken und Erklärungen, die über die Inhalte der Episoden hinausgehen.