Santa Barbara, California Schrift
Mensch schreibt auf Papier mit Stift
(Photo: PeopleImages via Getty Images)

Nutzung gesteuerter Fernwahrnehmung zur Lösung von Rätseln auf der ganzen Welt

Location: Einrichtungen können weltweit gefunden werden

Hintergrundgeschichte: Gesteuerte Fernwahrnehmung (CRV für Controlled remote viewing) ist eine Form der disziplinierten menschlichen Wahrnehmung, die das Unterbewusstsein nutzt, um Eindrücke über ein entferntes, unerkennbares Ziel zu sammeln. Ursprünglich ist CRV vom US-Militär als Mittel zum Erfassen von Informationen entwickelt worden. Das Programm war von den 1970er Jahren bis 1995 in Kraft. Dann wurde es freigegeben. Damals nahmen einige der Militärbeamten, die CRV für die Regierung praktiziert hatten, diesen Ansatz mit in die zivile Welt.

CRV wird von Menschen aus vielen Gründen genutzt, häufig aus den gleichen Gründen, warum sie einen Psychiater aufsuchen würden. Einige suchen nach einem geliebten Menschen, der vermisst wird. Andere wollen etwas über ihre leiblichen Eltern erfahren oder suchen nach einem wertvollen Gegenstand, den sie verloren haben.

Gail Husick, Gründerin und CEO der Husick Group ist eine führende Expertin auf dem Gebiet der Fernwahrnehmung. Sie beschreibt CRV als eine Methodik, um etwas herauszufinden, für das man gern einen Augenzeugen hätte, aber nicht hat. Es ist so, als hätte man einen, sagt sie, „aber man macht es stattdessen mit dem Kopf.“

So funktioniert es: Fernwahrnehmer beginnen ohne eine Information von außen. „Wenn die Viewer (Seher) sehen, arbeiten sie blind“, so Husick. „Ich sage ihnen nicht, wer der Kunde ist. Ich sage ihnen nicht, wie die Fragen des Kunden lauten. Ich will nicht, dass sich ihr Bewusstsein einschaltet, denn sonst fangen sie an und versuchen die Lösung durch logische Analysen herauszufinden.“ Sie merkt an, dass sie auch nicht möchte, dass ihre Fantasie mit ihnen durchgeht. „CRV folgt strikten Protokollen, die am Stanford Research Institute unter Vertrag mit der US-Regierung während des Kalten Kriegs entwickelt worden sind. Sie haben eine Methode entwickelt, um Soldaten beizubringen, wie CRV geht.“

Das einzige, das Husick mit den Viewern teilt, ist eine deutliche Kategorie, damit sie wissen, ob ihr Ziel ein Ort, eine Person oder zum Beispiel ein Vorgang ist. Die Viewer versuchen nicht, das Ziel zu benennen, aber sie beschreiben es. Husick sagt: „Was auch immer die Vorstellungen sind, derer sie gedanklich gewahr werden, sie schreiben sie sehr strukturiert auf.“ Die Viewer fangen mit beschreibenden Wörtern an und gehen dann häufig dazu über unterschiedlich detaillierte Skizzen zu erstellen.

Für wen ist CRV: Während Menschen aus vielen Gründen auf CRV kommen, wollen sie alle etwas erfahren, das sie nicht durch eine normale Recherche finden können. „Es handelt sich um Informationen, die schwer und unmöglich auf andere Art zu bekommen sind“, so Husick. Dennoch macht Husick deutlich, dass CRV keine Fälle lösen, sondern eher Informationen liefern kann.

„Wir arbeiten auch mit der Polizei zusammen, zum Beispiel wenn es um Fälle von vermissten Personen geht“, so Husick. „Wir haben auch Zusammenarbeiten mit der medizinischen Forschung, dort wird nach Bereichen gesucht, die bei der Erforschung bestimmter Krankheiten hilfreich sein können. Wir haben es für Journalisten genutzt, die Hintergrundrecherchen für eine tiefgründige Geschichte brauchten.“

Sobald das CRV fertig ist, wird der Bericht mit dem Kunden oder der Agentur, mit der der Viewer zusammen arbeitet, geteilt. „Es liegt an ihnen, diese Informationen mit anderen Nachrichtenquellen zu kombinieren und herauszufinden, wie sie es nutzen“, so Husick. 

Mann sitzt in Dunkelheit
(Photo: Flash Parker via Getty Imags)

Wer nutzt es?: Die ersten Fernwahrnehmer waren Einzelpersonen, die diese Methodik für das Militär praktizierten, bevor das Programm freigegeben wurde. Unter ihnen waren Paul Smith und Lyn Buchanan, die Husick ausgebildet haben.

„Da es vom Militär kommt, geht es Schritt für Schritt vor, sehr diszipliniert“, sagt Husick. „Es sind nicht nur zufällige Dinge, die einem in den Kopf kommen. Wir erklären es oft als eine Art mentale Kampfsportart.“

Wie bei vielen Kampfsportarten - oder generell jeder Fähigkeit - ist CRV etwas, das jeder lernen kann, aber nur manche Personen tun sich darin hervor. „Personen, die CRV auf einem professionellen Niveau ausüben, haben viel Training und Übung gehabt, genau wie bei einer Kampfkunst“, sagt Husick. „Wenn du einen schwarzen Gürtel willst, ist es gut, wenn du etwas sportliches Talent hast. Aber das ist nicht alles, was dich zum Ziel bringt.“

Genauigkeit: CRV ist nicht zu 100 Prozent genau, das sagen selbst seine größten Befürworter. Husick erklärt: „Man sucht nach Mustern und Hinweisen. Zum Beispiel gibt es im Fall einer vermissten Person bei den Sessions einiges, das keinen Sinn ergibt, aber hoffentlich findet man darin genug, das präzise ist, das eine Orientierungshilfe beschreibt oder skizziert, die die Polizei erkennt.“ Husick findet es sinnvoll weiterzuverfolgen, wie genau die Arbeit des Viewers letztendlich war. „Ich versuche, Projekte auszusuchen, bei denen wir am Ende ein Feedback bekommen“, sagt sie.

Das Empfinden des Skeptikers: „Wenn mir vor 15 Jahren jemand gesagt hätte: ‚Gail, das wirst du eines Tages tun’, hätte ich gelacht“, so Husick.

Husick hat ihr erstes Ziel nach anderthalb Tagen offiziellen CRV-Trainings in Angriff genommen. Ihre Zielsetzung war es, eine Szene auf einem Foto wahrzunehmen und zu beschreiben, die ihr nach ihrer schriftlichen Session gezeigt werden sollte. Sie erklärt: „Das einzige, das mir über mein Ziel gesagt wurde, bevor ich versuchen sollte es per Fernwahrnehmung zu sehen, war, dass es ein Ort ist. Es hätte überall auf der Welt sein können. Als ich mit meiner Fernwahrnehmungs-Session anfing, bemerkte ich verschiedene Wahrnehmungen – wie bei einer Blende, die sich kurz öffnet und wieder schließt, gerade lang genug, um ein Bild aufblitzen zu sehen. Vor meinem inneren Auge konnte ich eine sonnige Landschaft sehen. Ich fühlte Wasser, tiefblau und ausgedehnt. Und Bewegung, die von einem Gefährt menschlichen Ursprungs kam. Irgendetwas an diesem ganzen Bild machte mich glücklich. Nachdem ich meine schriftliche Session abgeschlossen hatte, gab mir mein Ausbilder das Foto: Es zeigte Personen, die einen sonnigen Tag auf dem Wasser in ihrem Motorboot genossen.“

„Deswegen versuchen wir nicht dauernd, vorzuführen, wie es geht, sondern bringen den Leuten bei, wie sie es machen. Wenn sie dann diese Erfahrung gemacht haben, dass sie es tatsächlich können, verschwinden die Zweifel.“

Erfahre mehr: Es gibt einige Bücher und Artikel, die sich mit der Fernwahrnehmung auseinandersetzen. Darunter „The Seventh Sense: The Secrets of Remote Viewing as Told by a Psychic Spy for the U.S. Military“ (2003) von Lyn Buchanan, „Männer, die auf Ziegen starren“ (2004) von Jon Ronson, das 2009 auch als Film mit George Clooney herauskam, „The Essential Guide to Remote Viewing“ (2015) von Paul Smith und „The Reality of ESP: A Physicist’s Proof of Psychic Abilities“ (2012) von Russell Targ.

Sie es dir selbst an: Die International Remote Viewing Association (IRVA) bietet mehrere Quellen an für alle, die Interesse daran haben, mehr über die Fernwahrnehmung zu lernen. Finde heraus, wie gut deine Fähigkeiten sind, indem du eine sogenannte einfache Session ausprobierst. Was siehst du?